Checkliste für barrierefreie PDFs
PAC meldet null Fehler, und der Screenreader liest die Tabelle trotzdem zeilenweise durcheinander. Deshalb steht bei jedem Prüfpunkt nach PDF/UA und WCAG, ob ein Werkzeug ihn erkennt oder ob jemand hinsehen muss.
Stand:
Wie die Spalte „Prüfung“ zu lesen ist
„Automatisch“ heißt: Validatoren wie PAC, veraPDF oder die PDF/UA-Prüfung von EasyPDFUA finden den Fehler zuverlässig. Bei „teilweise“ sieht das Werkzeug, ob etwas vorhanden und formal korrekt ist, aber nicht, ob es inhaltlich passt. Ein Alt-Attribut mit dem Inhalt „Bild“ besteht jeden Validator. „Manuell“ bleibt Sache eines Menschen, per Sichtprüfung oder mit dem Screenreader.
Die Grundlagen stehen unter Was ist PDF/UA? und WCAG 2.2 für PDF-Dokumente. Meldet ein Validator Fehler, hilft Häufige PAC- und veraPDF-Fehler weiter.
1. Dokumenteigenschaften
| Prüfpunkt | Was prüfen | Prüfung |
|---|---|---|
| Dokumenttitel | Titel in den Metadaten (dc:title) vorhanden und aussagekräftig, nicht „Dokument1“ oder ein Dateiname | teilweise |
| Titel anzeigen | DisplayDocTitle ist true, damit die Titelleiste den Titel statt des Dateinamens zeigt | automatisch |
| Dokumentsprache | Hauptsprache (/Lang) gesetzt und korrekt, z. B. de-AT oder de-DE | teilweise |
| Sprachwechsel | Fremdsprachige Passagen haben eine eigene Sprachangabe im Tag | manuell |
| PDF/UA-Kennung | XMP enthält pdfuaid:part, aber nur, wenn die übrigen Anforderungen erfüllt sind | automatisch |
| Getaggt-Kennzeichen | MarkInfo mit Marked true und ein Strukturbaum (StructTreeRoot) sind vorhanden | automatisch |
2. Struktur und Lesereihenfolge
| Prüfpunkt | Was prüfen | Prüfung |
|---|---|---|
| Alle Inhalte getaggt | Jeder Inhalt ist entweder einem Tag zugeordnet oder als Artefakt markiert | automatisch |
| Passende Tags | Absätze als P, Überschriften als H1–H6, keine Inhalte nur in generischen Containern | manuell |
| Überschriftenhierarchie | Logische Gliederung ohne übersprungene Ebenen; optisch hervorgehobene Überschriften sind auch als Überschrift getaggt | teilweise |
| Listen | Aufzählungen als L mit LI, Lbl und LBody, nicht als Absätze mit Spiegelstrich | teilweise |
| Tabellen | Datentabellen als Table mit TR; Kopfzellen als TH mit Scope (Row/Column); regelmäßige Struktur ohne fehlende Zellen | teilweise |
| Layouttabellen | Tabellen, die nur zur Anordnung dienen, sind nicht als Datentabelle getaggt | manuell |
| Lesereihenfolge | Die Reihenfolge im Strukturbaum entspricht der inhaltlichen Reihenfolge, auch bei Spalten, Kästen und Bildunterschriften | manuell |
| Artefakte | Kopf- und Fußzeilen, Seitenzahlen, Hintergründe und Zierlinien sind als Artefakt markiert; nichts Inhaltliches ist Artefakt | manuell |
3. Bilder und Grafiken
| Prüfpunkt | Was prüfen | Prüfung |
|---|---|---|
| Alternativtext vorhanden | Jeder Figure-Tag hat ein Alt-Attribut | automatisch |
| Alternativtext sinnvoll | Der Text beschreibt Zweck und Inhalt des Bildes knapp, nicht „Bild1.jpg“ | manuell |
| Dekorative Bilder | Rein schmückende Bilder sind als Artefakt markiert statt mit leerem Alternativtext getaggt | manuell |
| Komplexe Grafiken | Diagramme, Karten und Infografiken haben zusätzlich eine ausführliche Beschreibung oder Datentabelle | manuell |
| Text als Bild | Kein Fließtext als Bild; gescannte Seiten sind per Texterkennung (OCR) in echten Text umgewandelt | teilweise |
4. Text, Schriften und Farben
| Prüfpunkt | Was prüfen | Prüfung |
|---|---|---|
| Schriften eingebettet | Alle verwendeten Schriften sind im PDF eingebettet | automatisch |
| Unicode-Zuordnung | Jedes Zeichen lässt sich Unicode zuordnen (ToUnicode); Test: Text kopieren und in einen Editor einfügen | automatisch |
| Wortabstände | Wörter werden korrekt getrennt vorgelesen, nicht „Barriere freiheit“ oder zusammengezogen | manuell |
| Textkontrast | Mindestens 4,5:1 für normalen Text, 3:1 für großen Text (WCAG 1.4.3) | manuell |
| Kontrast von Grafiken | Mindestens 3:1 für informationstragende Grafikelemente wie Diagrammlinien (WCAG 1.4.11) | manuell |
| Nicht allein Farbe | Informationen werden nicht allein über Farbe vermittelt, z. B. in Diagrammen oder Statusangaben (WCAG 1.4.1) | manuell |
5. Links und Navigation
| Prüfpunkt | Was prüfen | Prüfung |
|---|---|---|
| Link-Annotationen | Jede Link-Anmerkung ist über ein Link-Tag mit Objektreferenz in der Struktur verankert und hat eine Beschreibung (Contents) | automatisch |
| Linktext | Ziel ist aus dem Linktext oder dem Kontext verständlich, nicht bloß „hier“ | manuell |
| Links funktionieren | Webadressen sind klickbar und führen zum richtigen Ziel | teilweise |
| Lesezeichen | Längere Dokumente haben Lesezeichen, die der Überschriftenstruktur folgen | teilweise |
| Tab-Reihenfolge | Seiten mit Anmerkungen verwenden die Dokumentstruktur als Tab-Reihenfolge (/Tabs /S) | automatisch |
Eine feste Seitengrenze für Lesezeichen gibt es nicht. Die WCAG-Technik PDF2 empfiehlt sie für Dokumente, die mehr als einige Seiten umfassen. Wir empfehlen sie, sobald ein Dokument mehrere Kapitel hat.
6. Formulare
| Prüfpunkt | Was prüfen | Prüfung |
|---|---|---|
| Felder getaggt | Jedes Formularfeld ist über ein Form-Tag in der Struktur verankert | automatisch |
| Feldbeschriftung | Jedes Feld hat einen Kurzhilfetext (TU), der Zweck und Format nennt, z. B. „Geburtsdatum (TT.MM.JJJJ)“ | teilweise |
| Pflichtfelder und Fehler | Pflichtfelder sind nicht allein farbig markiert; Hinweise zu Eingabefehlern sind als Text verfügbar | manuell |
| Bedienung per Tastatur | Alle Felder sind mit der Tabulatortaste in sinnvoller Reihenfolge erreichbar und ausfüllbar | manuell |
7. Sicherheit
| Prüfpunkt | Was prüfen | Prüfung |
|---|---|---|
| Zugriff für Hilfsmittel | Ist das PDF verschlüsselt, muss die Berechtigung für den Inhaltszugriff durch Bedienungshilfen erlaubt sein, sonst können Screenreader den Text nicht auslesen | automatisch |
| Kein Kopierschutz durch Bild | Text wurde nicht zum Schutz in Grafik umgewandelt | manuell |
8. Validierung und Test
- Validator: Mit PAC (PDF Accessibility Checker) oder veraPDF gegen PDF/UA-1 prüfen. Beide decken die maschinell prüfbaren Punkte des Matterhorn-Protokolls ab.
- Struktur ansehen: Tag-Baum und Lesereihenfolge in Acrobat Pro, axesPDF oder der Strukturansicht des EasyPDFUA-Berichts durchgehen.
- Screenreader: Das Dokument mit NVDA oder JAWS unter Windows bzw. VoiceOver unter macOS durchhören, mit Blick auf Lesereihenfolge, Sprünge zwischen Überschriften, Tabellen und Alternativtexte.
- Kontrast: Kritische Farbkombinationen mit einem Werkzeug wie dem Colour Contrast Analyser messen.
Erst nach Schritt 3 wissen Sie, ob das PDF wirklich benutzbar ist.
Das meiste gehört in die Vorlage
Viele Punkte dieser Liste erledigen Sie einmal pro Vorlage statt einmal pro PDF. Überschriften, Listen und Tabellenkopfzeilen werden in Word, InDesign oder dem Redaktionssystem über Formatvorlagen ausgezeichnet, nicht über manuelle Formatierung. Daraus entstehen beim Export die passenden Tags. Alternativtexte pflegen Sie im Ausgangsdokument und kennzeichnen dort auch dekorative Bilder als dekorativ. Titel und Sprache tragen Sie in den Dokumenteigenschaften der Quelldatei ein.
Beim Export muss die Option für getaggtes bzw. barrierefreies PDF aktiv sein. „Drucken als PDF“ erzeugt in der Regel kein getaggtes Dokument. Nachträgliches Tagging ist der Weg für Dateien, deren Quelle fehlt oder sich nicht mehr ändern lässt.
Was EasyPDFUA davon abdeckt
Die PDF/UA-Prüfung von EasyPDFUA zeigt den Strukturbaum mit RoleMap, Alternativtexten, ActualText, Sprachangaben und Seitenreferenzen und meldet einfache Befunde wie eine Figure ohne Alternativtext oder eine Tabelle ohne TH. Das betrifft vor allem die Abschnitte 1 bis 3.
Das nachträgliche Tagging setzt Titel, DisplayDocTitle, Sprache und die PDF/UA-1-Kennung, legt eine Basisstruktur mit einem P-Tag pro Seite an und verlinkt allein stehende Web- und E-Mail-Adressen samt Link-Tag und /Tabs /S. Fehlende ToUnicode-Zuordnungen ergänzt es, wenn sie eindeutig ableitbar sind. Ein fehlendes TrueType-Fontprogramm bettet es nur ein, wenn eine lokale Fontdatei mit gleichem PostScript-Namen vorliegt, deren Lizenzbits Einbettung erlauben und deren Breiten exakt passen. Überschriften, Listen, Tabellen, Alternativtexte, Formulare und Kontraste bleiben Handarbeit. Wer viele PDFs durch einen Dokumentprozess schickt, kann Prüfung und Tagging über die API anbinden.
Häufige Fragen
Welche Punkte einer PDF-Checkliste lassen sich automatisch prüfen?
Die technischen: Titel und DisplayDocTitle, Sprache, PDF/UA-Kennung, Tagged-Kennzeichen, eingebettete Schriften, Unicode-Zuordnung, Link-Tags, Tab-Reihenfolge und ob Alternativtexte vorhanden sind. Ob Überschriften, Lesereihenfolge, Alternativtexte und Kontraste inhaltlich stimmen, beurteilt ein Mensch.
Welcher Kontrast ist für barrierefreie PDFs nötig?
Für WCAG 2.2 Stufe AA mindestens 4,5:1 bei normalem Text, 3:1 bei großem Text und 3:1 bei informationstragenden Grafikelementen. Und keine Information darf allein über Farbe laufen.
Ab wie vielen Seiten braucht ein PDF Lesezeichen?
Es gibt keine feste Grenze. Die WCAG-Technik PDF2 nennt Dokumente, die mehr als einige Seiten umfassen. Bei mehreren Kapiteln lohnen sie sich immer.
Reicht es, wenn PAC keine Fehler meldet?
Nein. PAC und veraPDF sehen nur, was maschinell entscheidbar ist. Ein Durchgang mit NVDA, JAWS oder VoiceOver und ein Blick auf Lesereihenfolge, Überschriften und Alternativtexte gehören dazu.